Lese-Snacks & Inhaltsverzeichnis

von »Und gib die gestohlenen Nudeln zurück!!«

Prolog

»Die rasen wieder, wie die Irren!«

Meine Mutter schaute mehr als skeptisch von der Autobahnbrücke hinunter auf den gleitenden Reiseverkehr. 

Hastig zog sie mich an der Hand zurück, wohl erwartend, 

dass ich schlimmstenfalls über die Brüstung klettern 

und auf die Autos herunterfallen könnte.

Dabei hätte ich mich das Klettern ohnehin nicht getraut: 

Schließlich hatte ich die gute Sonntag-Spazier-Kleidung an, das hätte Ärger gegeben. Durfte ich doch noch nicht mal draußen irgendetwas anfassen, geschweige denn das »dreckige« Geländer einer Autobahnbrücke. 

Ich war zwar noch zu klein, um mich über das Geländer lehnen zu können und schon zu groß, als dass der Kopf zwischen die Streben gepasst hätte, aber meine Mutter war übervorsichtig und ängstlich, sah überall mögliche Gefahren.

Fasziniert starrte ich auf die schnellen Fahrzeuge, 

die gleichmäßig unter uns hindurchsausten: 

Was für ein Anblick! Am liebsten hätte ich mich an das Geländer gelehnt und das Rauschen auf mich wirken lassen. 

Das hörte sich an … das sah aus … das fühlte sich an …

– wie die reine Freiheit !!

Gerne wäre ich auch einmal in so einem Auto mitgefahren, aber das war bei Muttern leider verpönt: Was da alles hätte passieren können!


Humor: 

Die Trauung an sich war vermutlich ein Bild für die Götter: Der Standesbeamte war nämlich fast der einzige Mensch im Anzug, wenn man von den Brautpaar-Eltern mal absah. Der Rest des kleinen Saals füllte sich mit schwarz gekleideten Bikern inklusive Packtaschen und Schlafsäcken: Viele waren von weither direkt zum Standesamt gekommen, um danach gleich weiter auf das Partygelände mit Zeltwiese zu fahren. 

Als der Beamte dann begann, Ricca vor der Zeremonie mehrfach laut darauf hinzuweisen, dass der gemeinsame Ehename, den sie ausgesucht hatten, ein Leben lang in allen Papieren stehen würde, hatte er einen wunden Punkt bei ihr getroffen: 

»Wenn Sie mich jetzt noch einmal fragen, ob ich sicher bin, dann können Sie noch heute den Namen in allen Papieren wieder ändern!« 

Allgemeines Gelächter und ein irritierter Blick des Beamten: 
»Schon gut, ich wollte ja nur …« 

Den Rest verstand man aufgrund der Unruhe im Saal nicht mehr. 

Ricca hatte sich sehr schwer damit getan, Bernds Nachnamen anzunehmen, da er so gar nicht nach ihrem Geschmack war. Aber letztlich waren sie in seiner Heimat und die Leute dort kannten Bernd seit Jahrzehnten nicht anders. Und wenn man heiratet, sollte man unter einer Flagge fahren, fand Ricca: 

Die meisten Doppelnamen klingen eh lächerlich und sind umständlich lang zu schreiben. Das war denn auch das einzige, was ihr an dem neuen Nachnamen gefiel: 
Er war kurz. 

Als der Beamte die Formalitäten prüfte, auch die der Trauzeugen – ein guter Freund vom Bräutigam und eine gute Freundin von der Braut– gab es nochmal einen kleinen Lachanfall im Saal. 

Denn Ludwig, der direkt hinter Ricca saß, fragte laut nach: 

»Wie heißen die Trauzeugen, Meier und Müller? Hoa hoa, das ist ja’n Ding«, wieherte er und schlug sich dabei auf den Oberschenkel. 
Da konnte auch Ricca nicht mehr ernst bleiben. 



Ernst: 

Ricca ist zusammen mit Bernd zum Gericht gefahren, hat dort die Anwältin getroffen. 

Bernd war super nervös, sagte aber nichts. Ricca war auch super nervös – und sagte viel. 

Die Anwältin hat das ganze Prozedere nur mit einem Eröffnungssatz angestoßen, woraufhin der Gutachter begann, zu antworten. Und danach entwickelte sich ein reiner Dialog zwischen ihm und Ricca: 

Diese war nämlich emotional derart aufgewühlt, dass sie gar nicht mehr abwartete, ob und was die Anwältin gesagt hätte. Sie nahm kein Blatt vor den Mund und stellte frei heraus ihre meist bohrenden Fragen. 
Ja, sie war zwar sehr aufgeregt und redete mit etwas zittriger Stimme. 

Aber das hier, das war ihre Herzensangelegenheit, ihr Kampf um die Rechte ihrer Tochter! 

Der Richter hielt sich ebenso zurück wie die Anwältin – und Bernd zog nur noch den Kopf ein. 

Der unabhängige Gutachter war ein freundlicher Herr, der sich ruhig mit Ricca und ihren »Ja, aber …« – Einsprüchen auseinandersetzte und sachlich antwortete. 



Kinder, Gen. X: 

Denn nur, wenn die Enkel zu Besuch waren, durften auch die anderen Kinder mit ihnen im großen Garten von Frau Bemmkopf spielen. Und es gab Zugang zu den spannenden Kellerräumen, in die sich sonst niemand hineintraute – und die ihren Zauber schlagartig verloren, sobald die beiden Mädchen wieder abreisten. 
Aber solange sie da waren, wurden uralte Spielzeuge und Kinder-Fahrzeuge hervorgeholt. Sie bastelten daraus die wildesten Sachen und dachten sich Geschichten aus. 

Unterstützt wurden diese Aktivitäten von den schier unerschöpflichen Vorräten der Bemmkopfschen Tiefkühltruhen – Eis, Eis, Eis – und dem Obst-Angebot im Garten: 

»Hier, probier mal«, streckte sich Melanie oft eine gartendreckige Hand mit diversem Obst entgegen. 

Frau Bemmkopf kaute eigentlich immer irgendetwas, lediglich unterbrochen von ihrem herzhaften, tiefen Lachen – manchmal auch beides gleichzeitig. Als sie nicht mehr gut laufen respektive schlurfen konnte, glitt sie auf einer Art alten Bürostuhl durch die Küche: Vom Vitrinenschrank – welcher genauso gut in der Villa Kunterbunt von Pippi Langstrumpf hätte stehen können und voller Überraschungen steckte – stieß sie sich dann schwungvoll ab, um auf der anderen Seite am Küchentisch irgendwelches Gemüse zu bearbeiten. 



Kids, Gen. Z: 

Ricca fährt zusammen, als Timo in die Büro-Tür stürzt: 

»Mama, was gibt’s zu essen?!« 

»Mensch, erschreck mich doch nicht so«, schimpft Ricca und sammelt die heruntergefallenen Fotos auf. 

»Tschuldigung. Also? Ich hab Hungaaaa!« 

»Ja, Raubtier, sofort«, Ricca durchforstet in Gedanken den Kühlschrank. Es muss jetzt schnell gehen, verrät ein Blick auf die Uhr. Fischstäbchen mit Kartoffelbrei. Ja, das ist unfallfrei herzustellen. 

»Eigentlich könntet ihr das auch mal langsam ler…«, Ricca sieht Timo nur noch kurz von hinten, bevor er die Treppe wieder hoch sprintet. Nun gut. Seufzend erhebt sie sich und geht in die Küche. 



Spooky: 

Dieser Mann schreibt ihr nicht nur ins Gefühl, sondern er weiß einige Sachen, ohne dass sie die erwähnt hat. Dinge, die er eigentlich nicht wissen kann, zum Beispiel über ihren Bruder und ihre Mutter. 

Ricca ist sehr irritiert. Dazu hat sie doch gar nichts geschrieben? Sie scrollt zurück durch die lange Kommunikation und vergewissert sich: Nein, nichts derlei hat sie getippt – auch nichts, woraufhin er sich etwas hätte zusammenreimen können! 

Das ist sehr spooky, aber auch spannend – so wie die Entwicklung des gesamten Kontakts. 


Inhaltsverzeichnis:

Prolog...................................

Teil I: Melanie (2020) 

Alltag..........................................  9 

Spezial-Post............................... 21 

Kinners......................................  31 

Chinesen.................................... 43 

Nerven-Nahrung......................  47 

Wunsch nach Normalität........  59 

Zusammenführung..................  83 

Verdauung................................ 101 

Bernhard................................... 119 

Fahrzeuglieben......................... 143 

Vorspiel..................................... 151 

Teil II: Tijara (1998) 

Das kann nicht sein................. 157 

Startup ….................................. 177 

Tag X......................................... 185 

Flucht nach vorn.....................  191 

Neuer Horizont........................ 207 

Vorbereitung...........................  215 

Tati...........................................  225 

Knacks......................................  231 

Feldweg und Autobahn..........  235 

Neuauflage..............................  241 

Rumoren.................................. 251 

Land in Sicht...........................  263 

Biker-Partys............................  271 

Wirbelwind.............................  277 

Johnny.....................................  283 

Mr. Bronson............................  295 

Der Seher................................. 305 

Eigentümlich..........................  317 

Unentschieden ….................... 325 

Entwicklung............................ 333 

Es spitzt sich zu......................  341 

Timo & Tijara.......................... 353 

Ende einer Ära........................ 363